Bis aufs Blut zerfleischt in der Highschool

Titel:
Bis aufs Blut zerfleischt in der Highschool

Erscheinungsjahr: 2022 /// Verlag: März
208 Seiten
CHF 42.90

Als Kae Tempest noch lange nicht geboren gewesen war, gab es Kathy Acker. Unsere literarische dunkle Göttin der Neunzehnachtziger Jahre. »Pussy, King of the Pirates«, »Don Quixote, which was a Queen«, »Great Expectations« oder »Blood and Guts in Highschool«, das jetzt wieder auf Deutsch erhältlich ist, übersetzt von der Tempest-Übersetzerin Johanna Davids, erschienen im legendären, wieder aktiven MärzVerlag. »Bis aufs Blut« ist, um ein vielleicht nicht ganz adäquates, aber sehr wohl stimmiges Pendant zu nennen, ein Buch der Art, wie sie auch William S. Burroughs geschrieben hat: Hart, grell, lasziv, obszön, poetisch, jenseits jeglicher Anbiederung an political korrekte Literatur. Im Gegenteil: Tabubruch, wie er auch heute wieder kommen wird, in der Literatur. Wohl bald schon.
Formal eine Textcollage mit Zeichnungen, Diagrammen etc. Allein der literarische Echoraum, den Acker erzeugt, lässt Leser und Leserin mit nicht mehr auszubügelnden Dellen zurück. Mind-blowing. Der erste Satz: »Weil Janey nie eine Mutter gehabt hatte, ihre Mutter war gestorben, als Janey ein Jahr alt war, war sie komplett von ihrem Vater abhängig und betrachtete ihren Vater als Stecher, Bruder, Schwester, Geld, Zeitvertreib und Vater.«
Um was es im Wesentlichen geht? Um dies: »Janey lebt in einem Zimmer, das von aussen abgeschlossen wird. Zweimal am Tag kommt der persische Sklavenhändler herein und bringt ihr bei, eine Hure zu sein. Sonst passiert nichts. Als sie eines Tages in einer vergessenen Ecke des Zimmers einen Bleistiftstummel und ein Stück Papier findet, beginnt sie, ihr Leben aufzuschreiben. Angefangen hatte alles mit ihrem Vater, der gleichzeitig auch ihr Lover war, sich dann aber in eine andere verliebte.« (dies die Verlagsversion). Allein schon die Passage, in der Janey eine persische (!) Grammatik findet, sich Persisch (!) beibringt und Gedichte auf Persisch (!) schreibt, ist zum Niederknien.
Kathy Acker lebte von (voraussichtlich) 1947 (New York) bis 1997 (Tijuana), schuf ein umfangreiches Werk, ohne dass heute weder Liv Strömqvist noch Kae Tempest und viele andere denkbar wären.