Das Feuer retten

Titel:
Das Feuer retten

Erscheinungsjahr: 2022 /// Verlag: Klett-Cotta
800 Seiten, gebunden
CHF 38.90

Achtung! Diese Buch kann Sie bei der Lektüre aus der Wohlfühlzone katapultieren.
Die zwei Extreme der mexikanischen Literatur: Dort, Juan Rulfo, hier, Guillermo Arriaga. Zwei Giganten. Wer »Amores Perros« gesehen hat (Drehbuch: Arriaga), oder den Roman »Der Wilde« (2018, auch bei Klett-Cotta) gelesen hat, weiss um die poetisch-passionierte Brachialität, die der Mann aufscheinenzulassen fähig ist. Nun also »Das Feuer retten« (»Solver el fuego«). Angelehnt an einen Satz von Jean Cocteau. Vorausgeschickt ein Satz von Clarice Lispector: »Ich kann nicht nur halb lieben, ich kann nicht von Lügen leben.«
»Das Feuer retten« sind 800 Seiten erzählerische Tollkühnheit. Archaisch. Episch. Fein ziseliert. Obszön. Leidenschaftlich. Brutal. Von grotesker Hässlichkeit und märchenhafter Schönheit.
Guillermo Arriaga setzt Satz um Satz Massstäbe in Bezug darauf, wie heute eine Geschichte erzählt werden kann – muss –, die ohne Netz und doppeltem Boden alles wagt – und den Leser, vielleicht auch die Leserin, beglückt.
Um was es geht? Eine Tänzerin mit eigener Compagnie aus der bourgeoisen, mexikanischen Gesellschaft, verliebt sich in einen Mörder, der im Gefängnis einsitzt. Seinen Vater, einen indigenen, radikalen Aktivisten, hat er umgebracht. Angezündet. An seinen Stuhl gefesselt, verbrannt.
Zwei schwerreiche, schwule Freunde der Tänzerin investieren in ein Programm: Kultur (Literaturkurse & Tanz) gegen Verwilderung und legen den Teppich für ein (antikes) Drama vor dem Hintergrund der Geschichte einer Zivilisation, die ihren Aufstieg zur sich selbst vernichtenden Spezies über die Ausmerzung aller indigenen Menschheit und Kultur erreicht hat. Wort um Wort, Satz um Satz, Bild um Bild, Mensch um Mensch kämpft Arriaga – brillanter als Bolaño, weil Arriaga die Menschen liebt –, mit der Bestie, die die Literatur sein kann, wenn es ums Ganze geht.
Amor y muerte!