Wie viel von diesen Hügeln ist Gold

Titel:
Wie viel von diesen Hügeln ist Gold

Erscheinungsjahr: 2021 /// Verlag: S. Fischer
348 Seiten
CHF 30.90

Als ich Ocean Vuongs Roman »Auf Erden sind wir kurz grandios« gelesen habe, hatte ich eine ähnliche Empfindung bei der Lektüre. Ein Autor, jetzt eine Autorin gehen hinter die Leinwand und erzählen respektvoll, literarisch eigensinnig und in aller Rauhheit ihre Suche nach der Quelle, aus der sich ihr Leben speist. Vietnam bei Vuong, China bei Zhang, wobei China so gut wie nicht erwähnt wird. Im Gegenteil, die Staaten von Amerika zur Goldgräberzeit bilden die Kluft, in die die Autorin hinuntersteigt. Mit der langsam vermodernden und zerfallenden Leiche ihres Vaters in einer Truhe, reiten die Waisenkinder Lucy und Sam auf der Flucht vor einer Welt, die auf sie spuckt, durch die Prärie. Ein letztes Zuhause soll Ba – ihr Vater – erhalten. Die beiden Mädchen, von denen eines ein Junge ist, der ein Mädchen ist, suchen nach dem Land, dass das ihre ist, es gibt für sie kein anderes. Das Land, welches sie und zuvor ihren Ba und Ma gedemütigt, erniedrigt, geknechtet hat. Obwohl Ba noch vor den ersten Goldgräbern das Land zu seinem gemacht hat. Indem er in der Tradition der Indianer, seines eigenen Volkes, der Natur zugehört und sie respektiert hat. Die Mutter, mit den üblichen falschen Versprechungen ins Land gelockt, tut alles, der kleinen herumgeworfenen Familie einen materiellen Halt zu schaffen. Es ist alles, oder doch vieles, für nichts. Herkunft, Geschlecht – es pielt keine Rolle. Was die alles überragende Rolle spielt ist Zhangs Sprache, die wie ein Sandsturm alles aufschmirgelt, glattpoliert, zum Leuchten bringt, was an Geschichte allein fast nicht auszuhalten ist. – Was für ein Roman. Weit enfernt vom literarischen Gesäusel dieser Tage. Als das Buch ausgelesen war, hielt ich den Atem an. Lange Zeit. Da war nichts. Nichts ausser Stille und das Wispern der Toten.