Ein Tag wird kommen

Titel:
Ein Tag wird kommen

Erscheinungsjahr: 2020 /// Verlag: Wagenbach
272 Seiten
CHF 32.50

Wenn man meinen könnte, alle »grossen« Verlage hätten die »wichtigen« zeitgenössischen Bücher aus Italien in ihrem Programm, wird man einmal mehr vom exzellenten Wagenbach überrascht und mit wirklich guter Literatur beschenkt. Reich. Giulia Caminito, 1988 geborene Römerin, leuchtet mit einem Roman, der mindestens so stark ist wie Cognettis »Acht Berge« oder die Bücher von Davide Longo. Und weil für einmal auch der Verlagstext stimmt, poste ich ihn hier 1:1. »Eine italienische Familiengeschichte in Zeiten des aufkeimenden Faschismus, ein politischer Roman über Schuld und Anarchie, Widerstand und unverwüstliche Hoffnung – in einer Sprache, so zärtlich-rau wie die Liebe zwischen zwei Brüdern.« Der Inhalt ist so auf den Punkt gebracht, nicht aber der Ton, die Sprache (übersetzt von Barbara Kleiner), der Sog des Erzählstroms, und die Weigerung, sich der Leserin, dem Leser anzubiedern, wie das leider fast alle der hochgelobten (und tollen) italienischen Romane der letzten Jahre auf die eine oder andere Weise tun. Lupo und Nicola, ein Brüderpaar, wie Kain und Abel, in einer Landschaft, den Marken, Sinnbild der Kargheit und Armut. Aber das ist ja nur der eine Teil. Der andere führt aus dem tiefen Sudan auf der Spur eines entführten und versklavten Mädchens, das in ein Kloster aufgenommen, zur Äbtissin gewählt wird. Kirche und Politik, Handwerk und Bildung, Mann und Frau. Ein Buch wie ein Steinmandli im Gebirg! Hier der erste Satz: »Sie nannten ihn den Krumenbub, weil er der Sohn des Bächers und weil er schwach war, er hatte keine Kruste, an der Luft gelassen, hätte er Schimmel angesetzt, nicht einmal für die Brotsuppe hätte er getaugt, nicht einmal als Hühnerfutter.« Grazie, Wagenbach Verlag.