Weisse Finsternis

Titel:
Weisse Finsternis

Erscheinungsjahr: 2021 /// Verlag: Berlin Verlag
299 Seiten, gebunden
CHF 28.90

Ein prächtiger Abenteuerroman, den ich da gerade zugeklappt habe, nicht einfach ein weiterer Polarmeer- und Auf-der-Suche-nach-der-Nordwestpassage-Roman, »Weisse Finsternis« von Florian Wacker erzählt anders. Drei Erzählstränge: Zwei Männer, Norweger aus Tromsø, Freunde seit der Kindheit, sind 1919 mit Amundsen im ewigen Eis, werden losgeschickt, um Dokumente, Fotos etc. in die Zivilisation zurückzubringen. Eine Reise durch die tödliche Nacht. Zwischen den beiden steht Liv, die Frau, die beide liebt, sich für den einen entscheidet – den Falschen? – und vom anderen nicht wegkommt. Der dritte Erzählstrang ist der eigentlich faszinierende: Wer waren die Frauen, die im Schatten ihrer abenteuerlustigen Männer standen, Platzhalterinnen, Bewahrerinnen des Herdfeuers, immer bereit, da zu sein, wenn die Männer zurückkamen, um ihnen die Unterwäsche zu waschen. Nicht so Liv. »Weisse Finsternis« erzählt auf packende Art die Geschichte einer Frau, die sich Schritt um Schritt aus dieser scheinbar gottgegebenen, gesellschaftlichen Festgefügtheit löst und ihre Fesseln sprengt. So kann man also heute auch einen Abenteuerroman schreiben, dem nichts fehlt und der doch nicht in den uralten Erzählmechanismen des Genres verharrt. »Weisse Finsternis« ist spannende Literatur für die ganze Familie.